Darmgesundheit und Hormone: Was mein eigener Körper mich über Weiblichkeit gelehrt hat
Weiblichkeit ist nichts für Feiglinge.
Diesen Satz meine ich mit einem Augenzwinkern – und gleichzeitig ziemlich ernst.
Denn je älter ich werde, desto mehr verstehe ich, dass Weiblichkeit nicht bedeutet, sich jeden Tag gleich zu fühlen. Unser Körper verändert sich. Unsere Hormone verändern sich. Unsere Bedürfnisse verändern sich. Und manchmal braucht es ziemlich lange, bis wir anfangen, diese Veränderungen nicht nur als störend zu empfinden, sondern unseren eigenen Körper wirklich kennenzulernen. Bei mir hat dieser Weg sehr früh begonnen.
Mit elf Jahren bekam ich meine erste Periode – und die Pille
Ich war gerade einmal elf Jahre alt, als ich meine erste Regelblutung bekam.
Weil ich schon damals unter starken Regelschmerzen litt, ging meine Mutter mit mir zum Gynäkologen. Kurz darauf verschrieb er mir – ebenfalls mit elf Jahren – die Pille.
Mit elf Jahren hinterfragt man so etwas natürlich nicht. Ich hatte Beschwerden und bekam etwas dagegen. Für mich war das damals einfach die Lösung.
Aus Monaten wurden Jahre. 17 Jahre lang nahm ich die Pille.
Erst als zunehmende Müdigkeit, Haarausfall und ein immer deutlicherer Leistungsverlust für mich zum Thema wurden, entschied ich mich schließlich, sie abzusetzen.
Ob und in welchem Umfang meine damaligen Beschwerden tatsächlich durch die hormonelle Verhütung verursacht wurden, lässt sich rückblickend nicht sicher feststellen.
Aber mit dem Absetzen begann für mich etwas, das eigentlich selbstverständlich klingt:
Ich lernte meinen eigenen natürlichen Zyklus kennen.
Ich musste erst lernen, zyklisch zu sein
Plötzlich gab es unterschiedliche Zyklusphasen.
Tage mit viel Energie und Tage, an denen mein Körper mehr Ruhe verlangte. Veränderungen von Stimmung, Belastbarkeit und Körpergefühl. Und natürlich waren auch die Zyklusbeschwerden wieder ein Thema. Ich begann langsam zu verstehen:
Ich muss mich nicht an jedem Tag des Monats gleich fühlen.
Das klingt heute für mich banal. Aber nach 17 Jahren hormoneller Verhütung war es das überhaupt nicht. Und mein Körper hatte noch wesentlich mehr für mich auf Lager.
Mein Darm gehörte fast mein ganzes Leben zu dieser Geschichte
Zeit meines Lebens hatte ich immer wieder mit Verdauungsbeschwerden zu kämpfen.
Durchfall. Blähbauch. Übelkeit. Unwohlsein.
Irgendwann nimmt man solche Dinge beinahe als persönliche Eigenart hin:
Mein Bauch ist eben empfindlich. Mit 38 Jahren begann ich schließlich, meine Ernährung genauer unter die Lupe zu nehmen. Zunächst vermutete ich, dass ich möglicherweise Laktose nicht gut vertrage, und probierte laktosefreie Milch aus. An meinen Beschwerden änderte das jedoch nichts. Erst als ich Milch vollständig aus meiner Ernährung wegließ, bemerkte ich eine für mich sehr deutliche Veränderung: Meine langjährigen Verdauungsbeschwerden verschwanden.
Aber nicht nur das.
Auch meine Beschwerden rund um den Zyklus wurden deutlich weniger.
Ob tatsächlich Milcheiweiß oder ein anderer Bestandteil beziehungsweise Zusammenhang dafür verantwortlich war, habe ich nie medizinisch untersuchen lassen. Deshalb kann ich rückblickend nicht sagen, warum der Verzicht auf Milch bei mir diese Veränderungen bewirkt hat. Was ich sagen kann, ist: Für meinen eigenen Körper war der Unterschied deutlich spürbar.
Und genau diese Erfahrung wurde für mich zu einem wichtigen Aha-Moment.
Sie hat mich dazu gebracht, Ernährung, Verdauung und hormonelle Beschwerden nicht mehr vollkommen getrennt voneinander zu betrachten.
Meine persönliche Erfahrung bedeutet dabei natürlich nicht, dass Milch grundsätzlich Verdauungs- oder Zyklusbeschwerden verursacht. Hinter Durchfall, Blähungen, Übelkeit oder starken Menstruationsbeschwerden können sehr unterschiedliche Ursachen stecken, die bei anhaltenden Beschwerden abgeklärt werden sollten.
Aber mein eigener Körper hatte mir etwas gezeigt, das meinen Blick auf Gesundheit bis heute prägt: Es lohnt sich, über einzelne Symptome und Fachgebietsgrenzen hinauszuschauen.
Was haben Darmgesundheit und Hormone miteinander zu tun?
Heute beschäftige ich mich beruflich intensiv mit ganzheitlicher Gastroenterologie und Frauenheilkunde.
Und für mich gehören diese Bereiche nicht in zwei vollständig voneinander getrennte Schubladen. Auch aus wissenschaftlichen Untersuchungen wissen wir, dass sich Verdauungsbeschwerden im Verlauf des Menstruationszyklus verändern können. Manche Frauen bemerken beispielsweise in den Tagen vor oder während ihrer Regelblutung verstärkt Blähungen, Bauchbeschwerden oder Veränderungen ihres Stuhlgangs.
Das bedeutet nicht, dass jeder Blähbauch hormonell bedingt ist.
Und es bedeutet genauso wenig, dass hinter jedem Zyklusproblem der Darm steckt.
Aber es bedeutet für mich: Wir dürfen Zusammenhänge mitdenken.
Wenn eine Frau unter Zyklusbeschwerden leidet, interessiert mich deshalb nicht ausschließlich ihr Hormonstatus.
Ich möchte auch wissen:
- Wie funktioniert ihre Verdauung?
- Hat sie regelmäßig einen Blähbauch?
- Leidet sie unter Durchfall oder Verstopfung?
- Gibt es Lebensmittel, nach denen die Beschwerden stärker werden?
- Wie ernährt sie sich?
- Wie schläft sie?
- Wie hoch ist ihre Stressbelastung?
- Und verändern sich ihre Verdauungsbeschwerden vielleicht sogar abhängig von der Zyklusphase?
Genau an dieser Stelle treffen sich für mich Darmgesundheit, Hormone und Frauenheilkunde.
Dann kamen die Erschöpfungsphasen
Später lernte ich noch eine andere Seite meines Körpers kennen.
Lange Phasen der Erschöpfung haben mir gezeigt, dass es sich lohnt, auch Stress, Regeneration und die allgemeine Lebenssituation in die Betrachtung des körperlichen Befindens einzubeziehen. Wieder veränderte sich mein Körper. Wieder musste ich lernen, genauer hinzuhören.
Und heute, mit Ende 30, lerne ich bereits die nächsten Veränderungen kennen: erste Veränderungen, die ich selbst im Zusammenhang mit der beginnenden Prä- und Perimenopause beobachte.
Manchmal denke ich deshalb tatsächlich:
Weiblichkeit ist nichts für Feiglinge.
Perimenopause: Ist eine Hormonersatztherapie die einzige Antwort?
Gerade rund um die Perimenopause wird heute viel über Hormonersatztherapie gesprochen. Und das ist grundsätzlich gut. Frauen sollten über Behandlungsmöglichkeiten informiert sein und Beschwerden nicht einfach mit dem Satz „Da müssen Sie jetzt durch“ abgetan werden.
Eine Hormonersatztherapie kann für manche Frauen eine wichtige therapeutische Möglichkeit darstellen. Aber für mich bedeutet Frauenheilkunde trotzdem mehr als die Frage: Welches Hormon fehlt?
Mich interessiert auch:
- Wie lebt diese Frau?
- Wie viel Stress trägt sie jeden Tag?
- Wie viel Regeneration bekommt ihr Körper?
- Wie schläft sie?
- Wie ernährt sie sich?
- Wie geht es ihrem Darm?
- Bewegt sie sich regelmäßig?
- Und passen ihre täglichen Anforderungen überhaupt noch zu der Lebensphase, in der sie sich befindet?
Eine Hormonersatztherapie und eine ganzheitliche Betrachtung müssen sich dabei nicht gegenseitig ausschließen. Es geht nicht zwingend um Hormone oder Lebensführung.
Es geht darum, die Frau als Ganzes zu betrachten.
Beschwerden annehmen bedeutet nicht, sie aushalten zu müssen
Das ist mir besonders wichtig.
Den eigenen weiblichen Körper anzunehmen bedeutet nicht, starke Regelschmerzen, dauerhafte Verdauungsbeschwerden, ausgeprägte Erschöpfung oder andere belastende Symptome einfach hinzunehmen. Beschwerden dürfen untersucht und behandelt werden.
Aber zwischen „Das müssen Frauen eben aushalten“ und der Erkenntnis „Mein Körper verändert sich – und das darf er auch“ liegt ein ziemlich großer Raum.
Und vielleicht dürfen wir genau diesen Raum wiederentdecken.
Wir dürfen lernen, unseren Körper zu beobachten. Zusammenhänge zu erkennen.
Unsere Lebensführung anzupassen. Unterstützung anzunehmen, wenn wir sie brauchen.
Und gleichzeitig akzeptieren, dass unser Körper mit 40 nicht derselbe sein muss wie mit 20.
Die Natur versucht auch nicht, für immer Sommer zu bleiben
Vielleicht beschäftigt mich dieses Thema gerade deshalb jetzt im Herbst.
Die Natur kämpft nicht dagegen an, dass der Sommer vorübergeht.
Die Tage werden kürzer. Die Blätter verändern ihre Farbe. Die Natur wird ruhiger und zeigt dabei noch einmal eine vollkommen andere Schönheit.
Niemand würde einen Baum im Oktober ansehen und fragen: Warum bist du nicht mehr so wie im Juni? Bei uns selbst tun wir aber manchmal genau das. Wir erwarten dieselbe Energie. Dieselbe Belastbarkeit. Dasselbe Körpergefühl. Möglichst keine Schwankungen.
Aber das weibliche Leben besteht aus Veränderungen.
Von der ersten Regelblutung über unsere fruchtbaren Jahre bis hin zu Prä- und Perimenopause und schließlich der Menopause durchläuft unser Körper unterschiedliche Lebensphasen. Keine davon macht uns weniger weiblich.
Weiblichkeit hat viele Facetten
Wenn ich heute zurückblicke, sehe ich einen ziemlich langen Weg.
Mit elf Jahren die erste Regelblutung. Kurz darauf die Pille. 17 Jahre hormonelle Verhütung.
Danach den eigenen natürlichen Zyklus überhaupt erst richtig kennenlernen.
Jahrzehntelange Verdauungsbeschwerden. Die Erfahrung, dass eine Veränderung meiner Ernährung für meinen eigenen Körper einen erheblichen Unterschied gemacht hat.
Erschöpfungsphasen. Und inzwischen die ersten neuen hormonellen Veränderungen.
All diese Erfahrungen haben auch meine Arbeit als Heilpraktikerin geprägt.
Sie sind einer der Gründe dafür, weshalb ich heute Frauenheilkunde und ganzheitliche Gastroenterologie nicht vollkommen getrennt voneinander betrachten möchte.
Nicht jede Frau braucht dieselbe Diagnostik. Nicht jede Beschwerde hat dieselbe Ursache.
Und nicht jede Lebensphase braucht dieselbe Antwort.
Vielleicht besteht ein Teil von Frauengesundheit darin, zu verstehen, was im eigenen Körper geschieht – und ihm in unterschiedlichen Lebensphasen das zu geben, was er gerade braucht.
Nicht gegen den eigenen Körper. Sondern gemeinsam mit ihm.
Denn Weiblichkeit hat viele Facetten. Und vielleicht liegt gerade darin ihre Schönheit.










